#11: Der Mann erklärt

Was bisher geschah: Retep und Velted, zwei Agenten der Erde, bekommen den Auftrag einen illegalen Erdbeerendealer namens Erdbeerfan23 aufzuspüren. Er befindet sich auf einem weit entfernten Planeten und darum nehmen die beiden ein milchgasbetriebenes Raumschiff und begeben sich auf die Reise. Als sie schließlich auf dem Mond landen wollen, spinnt die Technik und das Schiff rast in den felsigen Boden. Als daraufhin Velted unerwartet verschwindet, macht Retep sich auf die Suche nach ihm. Er stößt auf eine Höhle, in der er von einem geigenspielenden Typen angegriffen wird. Er wacht bei einem Mann auf, der ihm gerade erklären will, was los ist.

Die Höhle wurde von einem panischen Schrei durchdrungen. Er kam aus einem Teil der Behausung, der abgedunkelt, und etwas abseits lag, weshalb Retep ihn nicht bemerkt hatte. Der Schrei verstummte. Vergnügt grinsend watschelte der Mann auf die Ecke zu, sich immer an einem Stück Felsen festhaltend – wegen der Schwerelosigkeit. Retep sah ihm erst irritiert nach und folgte ihm schließlich.
Auf dem Bett in der Ecke lag Velted, der irgendwas von einem Sofa stammelte, was keiner verstand. „Velted“, rief Retep und rannte auf ihn zu. „Junge, was ist passiert?“ Velted griff sich an die Stirn und wischte Unmengen an Schweiß ab. „Da war so ein Geigenspieler…“, sprach Velted leise. Der Mann nickte und sagte: „Ja, das hab ich mir fast gedacht. Aber seid unbesorgt, ihr wart nicht in Gefahr“
„Nicht in Gefahr?“, fragte Retep fassungslos „Der Mensch hat sich mit Fleischerzähnen so tief in meinen Hals gebohrt, dass ich nicht mehr atmen konnte!“
„Und du hast dich nicht gefragt, warum du keine Verletzungen hast?“, fragte der Mann mit hochgezogenen Augenbrauen. Retep überlegte. „Bei mir hat er dasselbe gemacht“, sagte Velted. „Auch da konnte dir nichts passieren“, sagte der Mann schmunzelnd. „Wovon reden Sie?“ Retep wurde sauer. „Gut, ich erklär’s euch“, begann der Mann. „Vor ungefähr dreißig, vielleicht auch vierzig Jahren, bekamen Ich und mein damaliger Kollege Otto den Auftrag, eine bestimmte Menge an Gift, das sehr schnell in den menschlichen Körper eindringt, mit einem Raumschiff auf Nutpen zu transportieren. Wir wollten auf dem Mond zwischenstoppen, aber irgendwas am Motor war kaputt und wir rammten den Boden. Das Schiff war vollständig zerstört. Treibstoff hatten wir. Was wir nicht hatten waren Lebensmittel. Ich dachte nicht daran, überleben zu können, aber Otto war fest davon überzeugt. Zusätzlich dazu hatte er permanent Hunger und machte sich an unsere Fracht. Er schluckte etwa 24 Prozent des Giftes, etwa 33 Liter. Er hätte eigentlich tot sein müssen. Stattdessen änderte er sein Äußeres, wurde übernatürlich dünn, seine Haare strohig und er verlernte zu sprechen. Das einzigste, woran man ihn noch erkannte, war das Geigenspielen, dass er bis heute noch ununterbrochen betreibt. Er verfiel dem Wahnsinn und lagert das Gift in seinem Unterschlupf. Da wir Unmengen an vergrößerbaren Magneten dabei hatten, legte er den Boden seiner Höhle damit aus. Er lockt mit seinen Fußspuren Wanderer in die Höhle, die immer mit metallischen Gegenständen rumlaufen. Sie werden zu ihm runtergerissen und an dem Schacht hängt das Gift. Sie reiben sich die Hände auf – ab da halluzinieren sie. Das Gift gelangt in die Blutbahn und man träumt den Rest, der meist von abgerissenem Halsfleisch handelt. Manchmal kommt der Typ aber aus seinem Versteck raus, und macht Wanderern Angst, indem er wie aus dem Nichts mit seiner Geige klappert. Später nimmt er sich einen von ihnen, der andere kommt scheinbar freiwillig nach.“
Für einen kurzen Moment wurde es still. „Und warum macht er das?“, fragte Velted. „Weil er ein Publikum für seine Geigenkünste braucht. Er betäubt die Menschen, setzt sie vor sich hin und es wirkt so, als würden sie ihm zuhören. Manchmal passt er nicht gut genug auf sie auf, und ich nehme mir einen von ihnen und wecke ihn auf, wie euch.“
„Wie konnten Sie überleben?“, fragte Retep kritisch. „Ich habe all die Jahre gemahlene Steine mit Wasser gegessen. Aber meistens haben diese Wanderer andere Sachen zu essen dabei, die ich mir dann nehme“, gab der Mann zur Antwort und biss in ein Brötchen.
Retep griff sich an seinen Hals. Es war keine Naht zu spüren. Zumindest in diesem Punkt hatte der Mann nicht gelogen.

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6. August 2011 by eckgefluester
 
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