#14: Velteds Tagebuch

Retep schnallte Velted auf das Bett, das sich im hinteren Bereich des Schiffes befand. Er und der Mann setzten sich nach vorne. Retep brauchte einige Minuten, um den alten Gurt zu schließen. Ein leises Poltern war zu hören. Retep achtete nicht weiter darauf.
Als er den Motor in Gang setzte, summte dieser leise. Das Brummen wurde lauter und das Schiff erhob sich vom Boden. Es drehte sich langsam nach oben und blieb in einer Höhe von zweihundert Metern stehen. Retep hatte den Höhenversteller vorerst abgeschaltet und gab langsam Gas. Das Schiff flog mit leichten Kurven über die Landschaft. Retep drehte weiter am Höhenversteller und beschleunigte. Er gab nun Vollgas und drehte Das Schiff mehrere Male. „Was soll das?“, gab der Mann leicht verwirrt von sich. Retep beachtete die Frage nicht und das Schiff machte einen Looping. Das Poltern wurde lauter. Der Mann konnte nicht wirklich sehen, was Retep jetzt tat, und das Schiff drehte sich auf den Kopf. Die gefälschte Schwerelosigkeit im Raumschiff ließ nicht nach. „WAS MACHEN SIE DA?“, schrie der Mann ihn an. „Der Fiedler hockt auf dem Dach!“, flüsterte Retep genervt. Otto sprang auf dem Dach rum, wie ein kleiner Affe, dem man sein Spielzeug weggenommen hatte. Augenblicklich wurde es still. Ein Schlag war zu hören. Retep beugte sich zum Fenster. Draußen schwebte der bewusstlose Fiedler mit einem Brecheisen im Gesicht, das Velted vor ein paar Tagen vor Wut weggeworfen hatte. „Ist alles okay?“, fragte der Mann vorsichtig. „Ja klar. Was sollte sein?“, gab Retep zur Antwort. Die Reise ging weiter.

Folgende Zeilen stammen aus dem Tagebuch von Velted. Es wurde von einem ahnungslosen Wanderer gefunden und im Nachhinein Eckgefluester übergeben.

27. August 3011

Seit genau einer Woche fliegen wir nun schon immer weiter gerade aus. Retep betont immer wieder, er wüsste, wie wir weiter kommen. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie bin ich mir da nicht so sicher.
Retep spielt seit Tagen mit dieser „Schaufel“ herum, die er von dem Mann bekommen hat. Ich warte nur darauf, bis er sich irgendwann aus versehen den Kopf wegsprengt. Der Mann hat uns immer noch nicht seinen Namen gesagt. Sehr seltsam alles. Ich bezweifle, dass Retep das überhaupt schon gemerkt hat. Retep isst die ganze Zeit Himbeeren. Er scheint fast süchtig nach ihnen zu sein. Mich würde mal interessieren, wo er die überhaupt her hat. Aber er redet sowieso nichts wirklich Spannendes.
Die Duschen auf unserem Schiff sind übrigens sehr sauber und modern. Außerdem sind sie grün. Ich hasse grün, aber wer wird denn wählerisch sein. Die Toiletten sind blau. Ich frage mich, was sich Enna dabei gedacht hat. Falls sie sich was dabei gedacht hat. Apropos Enna. Sie hat sich gemeldet. Ich habe mich schon gefragt, warum sie es nicht schon längst getan hat. Sie ist als grünes Hologramm mitten im Schiff erschienen. Sie wollte sich vergewissern, ob bei uns alles okay ist. Ich glaube sie war sauer, als sie den Mann gesehen hat. Dabei hatte sie kein Wort darüber verloren, wen wir mitnehmen. Außerdem war es ja so was wie Rettung. Der Mann wäre noch weitere dreißig Jahre auf dem Mond geblieben. Morgen werden wir ihn absetzen. Sehr seltsam alles. Auf diesem Schiff wird man bekloppt. Ich führe zum ersten Mal Tagebuch. Keine Ahnung warum und wozu. Ungefähr so, als würde jemand auf die Idee kommen und Geschichten ins Internet stellen. Jemand mit einem miserablen Schreibstil oder so. Sehr seltsam alles.
In zehn Minuten gibt es Abendessen. Retep kocht. Keine Ahnung was. Schmeckt alles gleich. Zu Trinken gibt es nur Tomatensaft. Ich würde mal sagen, das ist der beschissenste Teil der Reise. Alle schwärmen sie vom Mond und wollen mal dort hin. Auf diesen Scheißball aus Stein und Sand. Ekelhaft.
Das Letzte was ich vom Mond noch weiß, ist ein Loch im Boden und eine Spritze. Sehr schön. So stellt man sich doch einen Mondaufenthalt vor.

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27. August 2011 by eckgefluester
 
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