#13: Schaufeln?

Was bisher geschah: Retep und Velted, zwei Agenten der Erde, bekommen den Auftrag einen illegalen Erdbeerdealer namens Erdbeerfan23 aufzuspüren, der sich auf einem anderen Planeten befindet. Mit einem Raumschiff begeben sie sich auf die Jagd. Das Schiff verunglückt und die beiden stecken auf dem Mond fest. In einer Höhle werden sie von einem ehemaligen Austronauten im Wahn angegriffen. Durch das Fachwissen seines (ebenfalls festsitzenden) ehemaligen Kollegen gelingt ihnen die Flucht.

Das Gefährt hatte vier Räder, sechs Sitze und keinen Namen. Es war für Einsätze auf Planeten mit geringer Schwerkraft entwickelt worden. Es saugte sich am Boden fest, konnte sogar an Wänden fahren – verhielt sich immer so, wie Fahrzeuge auf der Erde, erklärte der Mann. Über die dreißig Jahre war es außerhalb der Höhle unter einem Stein versteckt. Er und Retep nahmen auf den vorderen drei Sitzen Platz, Velted wurde auf die hintere Dreierreihe geschnallt. Der Mann erklärte zehn Minuten, wie lange er nicht mehr damit gefahren ist, bis es endlich losging.
„Euer Schiff ist wo noch mal?“, fragte der Mann, nachdem er, Retep und Velted schon zehn Minuten umhergefahren sind. Retep reagierte etwas bissig: „Okay, wie oft eigentlich noch? Ich habe keine Ahnung – und hier sieht alles gleich aus und es ist viel zu dunkel…“ Der Mann guckte ein wenig nachdenklich. Er drückte auf ein kleines Knöpfchen und sieben Scheinwerfer, jeder mit der Helligkeit von zwei Flutlichtanlagen gingen rund um an der Karosserie des Fahrzeugs an. Die Landschaft des Mondes, die bis eben noch wie von einem schwarzen Filter abgedunkelt schien, wurde in Lichtgeschwindigkeit erhellt. Der Wagen drehte sich um die eigene Achse, blieb kurz stehen und raste mit 472 Kilometern die Stunde über die sandigen Steine. Retep drehte sich blitzschnell zu Velted um und vergewisserte sich, dass ihn die Gurte noch an seinem Platz gehalten hatten. „GEHT DAS NICHT AUCH LANGSAMER?“, schrie er den Mann an. Keine Reaktion – der Mann lachte und schien glücklich darüber, nicht mehr in einer Höhle wohnen zu müssen. ‚Hoffentlich fährt er nicht den Tank leer’, dachte Retep und drehte seinen Kopf suchend nach dem Raumschiff. Fast währe es ihm zum Verhängnis geworden, als der Wagen beschleunigte und Reteps Gesicht für den winzigen Bruchteil einer Sekunde sieben Zentimeter von dem ihm bekannten Raumschiff entfernt war. Irgendwie brachte er den Mann dazu, zu wenden und zurückzufahren. Selbst auf dem Rückweg verlangsamte der Mann das Gefährt nicht – im Gegenteil sogar – und der Wagen knallte gegen das graue Raumschiff. Ein einhalb Tonnen verschrottete Fahrzeugteile flogen durch die Schwerelosigkeit. Der Mann löste sich im Flug von seinem Gurt. Dem Beispiel folgte auch Retep, der auch noch Velted mitnahm. Der Mann streckte triumphierend die Fäuste von sich und hörte gar nicht mehr auf zu jubeln. Die drei befanden sich gute acht Meter über dem Boden und hatten Mühe, sich wieder runter zu bewegen. Als sie den felsigen Boden erreicht hatten, band Retep Velted an einem Stein fest und gemeinsam mit dem Mann machte er sich an die Arbeit, das Raumschiff aus dem Sand/Felsen/Stein zu bekommen. „So, und wie bekommen wir’s da jetzt wieder weg?“, fragte Retep herausfordernd. „Ich habe Schaufeln mitgebracht! Sehen Sie? Damit können wir buddeln“, antwortete der Mann und holte etwas aus seinem Rucksack, das auch eine Thermoskanne hätte sein können. Er hatte wohl mehrere von diesen Büchsen mitgebracht, und eine übergab er Retep. „Schaufeln?“, war dessen einzige Reaktion. „Wenn Sie sie richtig anwenden!“, fügte der Mann hinzu. Reteps Gesichtsausdruck nach zu Urteilen, begriff er immer noch nicht, was er damit machen sollte. Der Mann nahm eine von ihnen in die rechte Hand und hielt sie auf eine beliebige Stelle, in der gerade das Schiff steckte. Mit dem Daumen drückte er auf einen Knopf und mit der Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs knallten weiße Lichter auf dem Stein auf und rissen sechs Meter tiefe Gräben. Retep versuchte ebenfalls sein Glück, doch der Rückstoß warf ihn einige Meter zurück. Der Mann „grub“ schließlich im Alleingang das Schiff aus. Als er fertig war, schwebten im Umkreis von circa drei Metern kleine Gesteinsbrocken umher.
Das Bisschen Milchgas, das der Mann mitgebracht hatte, reichte aus um das Schiff noch zu einer Tankstelle zu bringen um voll zutanken.

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20. August 2011 by eckgefluester
 
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